„Ich will fortleben, auch nach meinem Tod.“

Max-Schüler besuchten Gedenkstätte Bergen-Belsen im Rahmen eines Anne-Frank-Projektes

Übersetzungen in über 70 Sprachen, Veröffentlichungen in ähnlich vielen Ländern und mehr als 30 Millionen verkaufte Exemplare – Das Tagebuch der Anne Frank gehört nicht erst seit der Ernennung zum Weltdokumentenerbe durch die UNESCO zur Weltliteratur. Vom 12. Juni 1942 bis zum 1. August 1944 reichen die überwiegend im Versteck vor den Nazis angefertigten Aufzeichnungen des zu Beginn 13jährigen Mädchens, das eindrucksvoll seine Gefühle, Gedanken und Sehnsüchte während der Isolation beschreibt.
Unzählige Schüler weltweit haben die Tagebucheinträge im Unterricht oder privat gelesen, so auch die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9F1 und 9F2 des Max-Windmüller-Gymnasiums: Bereits am Ende des vergangenen Schuljahres hatten sie sich im Rahmen eines Projektes mit ihren Lehrern Michael Leipelt und Kai Gembler auf verschiedene Weisen mit Anne Frank beschäftigt. Neben der Lektüre des Tagebuches gestalteten die Schülerinnen und Schüler der 9F1 im Kunstunterricht auch verschiedenste Portraits der Autorin. Unterstützt vom Förderverein des Gymnasiums konnten diese Bilder anschließend zusammen mit einem Zitat aus dem Tagebuch auf T-Shirts gedruckt werden.

Diese kamen nun wieder zum Einsatz: Zum Abschluss des Projektes beantwortete eine Fahrt zur Gedenkstätte Bergen-Belsen die Frage nach dem weiteren Schicksal des Mädchens nach der Entdeckung und Verhaftung durch die Nazis am 4. August 1944. Dort starb Anne Frank wahrscheinlich im Februar oder März 1945 – wenige Wochen vor der Befreiung des Lagers durch die Briten, die dort die Hölle auf Erden entdeckt zu haben glaubten: Tausende Leichen lagen verstreut auf dem riesigen Gelände.
„Bergen-Belsen war zuletzt ein einziges Seuchen- und Sterbelager“, wie Joachim Kasten erläuterte: „Angesichts der immer näher kommenden alliierten Befreier wurde die Insassen der Konzentrations- und Vernichtungslager nach Bergen-Belsen deportiert, darunter auch Anne Frank mit ihrer Schwester Margot, die im November 1944 vom Vernichtungslager Auschwitz kamen“, so Joachim Kasten. Zusammen mit seinem Kollegen Heinrich Gade führte der Mitarbeiter der Gedenkstätte die Max-Schüler über das Gelände des ehemaligen Lagers, wo vor allem die Grabsteine der Massengräber an die Toten erinnern, die hier zu Tausenden beerdigt worden sind.
Eine dieser anonymen Leichen dürfte auch Anne Frank gewesen sein, doch ist sie nicht in Vergessenheit geraten: „O ja, ich will nicht umsonst gelebt haben wie die meisten Menschen. Ich will den Menschen, die um mich herum leben und mich doch nicht kennen, Freude und Nutzen bringen. Ich will fortleben, auch nach meinem Tod.“

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