„Leben! Es ist Leben! Leben ist wunderbar!“ – Anti-Apartheid-Kämpfer Denis Goldberg beeindruckte Emder Publikum

„Ich würde wieder so handeln!“ – Die Frage, ob er seine Entscheidung, gegen die Apartheid in Südafrika zu kämpfen bereue, beantwortet Denis Goldberg sofort – und man nimmt es ihm ab: 22 Jahre Gefängnis, die Trennung von Ehefrau und Kindern und grausamste Haftbedingungen haben Denis Goldberg nicht gebrochen. Trotz seiner inzwischen 84 Jahre wird er nicht müde, gegen Intoleranz und Rassismus zu kämpfen und tritt deshalb nach wie vor regelmäßig vor Publikum auf. Mitte Juni besuchte er erstmals Emden und das Max-Windmüller-Gymnasium, um den Schülerinnen und Schülern des 10. und 11. Jahrganges aus seinem Leben zu berichten.

Bereits in der Grundschule habe er durch seine erste Lehrerin Fräulein Cook eine seiner ersten Lektionen gelernt: Als diese eines Tages nach dem Verbleib ihrer goldenen Uhr fahndete, die nach der großen Pause aus dem Klassenzimmer verschwunden war, beschuldigte Goldberg wie seinen Klassenkameraden seinen Mitschüler Nolan – obwohl dieser offenkundig unschuldig war. Fräulein Cook wusste das und machte dem damals Sechsjährigen klar, dass Nolan nur deshalb zum Schuldigen auserkoren worden war, da er eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte hatte. „Diese Lektion über Intoleranz habe ich nie vergessen“, erzählt Goldberg, der aus einem Elternhaus stammt, das nie mit der Rassentrennung einverstanden war. Obwohl er als Weißer ein privilegiertes Leben hätte führen können, entschied sich der Kapstädter gegen die Apartheid aktiv zu werden. Er schloss sich dem ANC an und bereitete nach dem Sharpeville-Massaker, bei dem 69 friedliche Demonstranten von der südafrikanischen Polizei erschossen worden waren, den bewaffneten Kampf gegen die weiße Regierung vor – unter anderem mit Nelson Mandela. Gemeinsam mit ihm wurde Goldberg nach einem Verrat 1963 vor Gericht gestellt und mit sechs weiteren Männern zu lebenslanger Haft verurteilt. Angesichts der Schwere der Vorwürfe hatte die Gruppe eigentlich die Todesstrafe erwartet und so rief Goldberg seiner Mutter, die im Trubel der Urteilsverkündung das Strafmaß nicht gehört hatte, zu: „Leben! Es ist Leben! Leben ist wunderbar!“

22 Jahre später wurde er aus dem Gefängnis in Pretoria entlassen – anders als seine schwarzen Kameraden war er nicht auf Robben Island, denn die Rassentrennung galt auch für das Gefängnis- und kämpfte von da an im Londoner Exil auf politischem Wege gegen das Regime in seiner Heimat, bis dort 1994 endlich zum ersten Mal in der Geschichte freie und allgemeine Wahlen stattfanden.

Goldberg gilt angesichts seiner Lebensleistung als Ikone des südafrikanischen Freiheits- und Anti-Apartheidkampfes. Auch heute noch ist er im Kampf gegen Rassismus aktiv: „Thanks fort the assurance that Emden will continue to uphold ist policy of non-racism“, schrieb er deshalb am Mittag während eines Tee-Empfanges, zu dem Oberbürgermeister Bornemann eingeladen hatte, in das Goldene Buch der Stadt Emden.

Diese Botschaft gab er auch den Besuchern der Neuen Kirche mit: Nach einer Begrüßungsansprache durch Pastor Bert Gedenk erzählte Goldberg auch hier ausführlich aus seinem Leben. Dabei machte er zu Beginn deutlich, dass ein Auftritt in Emden genauso wichtig sei wie in New York oder Paris, denn es gehe darum daran zu erinnern, dass alle Menschen gleich seien.

Nach einer Pause, in der Goldberg unermüdlich Bücher signierte, während sich die Besucher am kulinarischen Angebot des Vereins Internationales Emden bedienen konnten, stellten die Max-Schüler Jessika Schulga, Finn Bjerkness und Ben Siedenberg noch einige Fragen an den Freiheitskämpfer und erfuhren, dass ihm natürlich bewusst war, dass seine Kinder und seine Frau darunter gelitten haben, ihn nicht sehen zu können: „Aber ich musste etwas tun, denn so viele schwarze Kinder haben ebenfalls gelitten, weil ihre Väter eingesperrt oder getötet worden waren.“

Trotz seines hohen Alters ist Goldberg auch jetzt noch aktiv: Er sammelt Spenden für ein von der Denis-Goldberg-Stiftung getragenes Kulturzentrum, das sich auch in Zukunft in seinem Sinne für ein friedliches Miteinander in Südafrika einsetzen soll.

Der Besuch von Denis Goldberg wurde finanziert vom Förderverein des Max-Windmüller-Gymnasiums, der ev.ref. Kirchengemeinde Emden und der Stadt Emden. Außerdem haben der Verein Internationales Emden, der Chor Happiness und Schülerinnen und Schüler des Max die Veranstaltung in der Neuen Kirche unterstützt. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt!

Film und Fotos: Tobias Bruns

Ein weiteres Video zu einem neuen Projekt über das Leben von Denis Goldberg:

 

Bericht der Emder Zeitung

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