Sieben Monate Unterricht auf einem Segelschiff

Dass Fenja Schoof eine begeisterte Seglerin ist, ist bekannt. Kein Wunder also, dass die Vorstellung einer Atlantiküberquerung auf einem Segelschiff ein Traum für die Zehntklässlerin war, den sie sich nun erfüllen konnte. Hier ist ihr Bericht von der High Seas High School:

„Vielleicht kennen es schon einige: das segelnde Klassenzimmer, ein Projekt der Hermann-Lietz-Schule Spiekeroog. Ich habe 2018 davon erfahren, als ich einen Artikel im Ostfriesland-Magazin darüber las. Ab da stand für mich fest: DAS will ich unbedingt mitmachen. Nach einem Infotag in Hamburg wurde dieser Wunsch noch bestärkt. Nachdem ich ein Bewerbungsverfahren durchlaufen hatte, stand fest: Ich darf teilnehmen.

Im Frühjahr 2019 gab es einen Probetörn, um kennenzulernen, auf was man sich für sieben Monate einlassen will. Mir gefiel es hervorragend.

Anfang Oktober startete mein großes Abenteuer auf dem Traditionssegler Roald Amundsen mit 28 abenteuerlustigen Schülern, 4 genauso abenteuerlustigen Lehrern und einer großartigen Stammcrew.

Es würde in diesem Bericht zu weit führen, all die lustigen und beeindruckenden Erlebnisse aufzuzählen, die wir in den Häfen, vor Anker, in anderen Ländern oder Inseln und auf See hatten. Deshalb erst mal nur unsere Reiseroute:

Kiel- Portsmouth (England)- Vigo (Spanien)- Ilhas Selvagens (eine unbewohnte Vogelschutzinsel/ Portugal)- Porto Santo (Portugal)- Teneriffa (mit einer Besteigung des Vulkans Teide – unglaublich anstregend!)- Atlantiküberquerung (drei Wochen nur Wasser)- Dominica- Martinique (Frankreich)- San Blas Inseln (Inselgruppe in Panama)- Panama/ Costa Rica (einen Monat Landaufenthalt)- Kuba- Bermuda (britisch)- Sao Miguel (Azoren/ Portugal)- Ile D’Ouessant (nur vor Anker/ Frankreich)- Kiel.

Diese Fahrt darf man sich aber nicht als Urlaubsreise vorstellen. Wir mussten neben dem Segeln und Kochen, der Instandhaltung des Schiffes, vier Stunden Wachegehen (jeweils eine am Tag und eine in der Nacht) natürlich auch noch ,,in die Schule gehen“. Es war schon schwierig sich bei all den täglichen Aufträgen und Schlafmangel auf den Unterricht zu konzentrieren. Viele hatten auch zusätzlich mit der Seekrankheit zu kämpfen, ich war Gott sei dank nicht einmal seekrank. Das konnte auch nachteilig sein, denn ich stand dann oftmals alleine in der Kombüse (Küche), während der Rest der Backschaft ,,Fische fütterte“.

Bis Corona auftauchte konnte unser Reiseverlauf ohne Probleme stattfinden. Als wir die Bermudas erreichten, wurden wir das erste Mal mit COVID 19 konfrontiert, weil die Stammcrew nicht mehr getauscht werden konnte. Ab da an durften wir kein Land mehr betreten. Auf den Azoren war es lediglich erlaubt, kontaktlos Proviant aufzunehmen. Im Endeffekt waren wir 47 Tage nicht mehr an Land. Damit haben wir sogar den Rekord der Roald Amundsen gebrochen, die schon seit 1952 herumsegelt.

Sonst haben wir aber von Corona nichts gespürt. Wir waren sogar die letzte deutsche Klasse, die normalen Unterricht hatte und Klausuren schreiben musste. Erst bei der Ankunft in Kiel wurden wir wieder mit dem Virus konfrontiert. Wir durften uns nicht, wie üblich, feierlich verabschieden und auch unsere Familien nicht normal begrüßen. Jeder musste einzeln im Drei-Minuten-Takt von Bord gehen, nur unsere Eltern durften uns in einem eingezeichneten Bereich begrüßen. Die Ankunft ist auch unter diesen Umständen sehr emotional gewesen: Man verlässt traurig die liebgewonnenen Freunde (man kann schon fast sagen: seine neue Familie), freut sich aber ja auch so sehr seine eigene Familie (inklusive Haustier) nach so einer langen Zeit wieder in die Arme schließen zu können.

Jetzt bemühe ich mich gerade, in den Corona-Alltag zu finden. Es ist ein unglaublicher Kontrast. An Bord war alles sehr eng, von Nähe und Umarmungen geprägt und hier darf man nicht mal Freunde umarmen, die man sieben Monate nicht gesehen hat…

Also:Fühlt euch alle von mir umarmt!

Fenja“

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