{"id":18302,"date":"2025-01-21T20:14:10","date_gmt":"2025-01-21T19:14:10","guid":{"rendered":"https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/?p=18302"},"modified":"2025-02-18T12:44:31","modified_gmt":"2025-02-18T11:44:31","slug":"beeindruckendes-yad-vashem-meeting-mit-dem-holocaust-ueberlebenden-leon-weintraub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/beeindruckendes-yad-vashem-meeting-mit-dem-holocaust-ueberlebenden-leon-weintraub\/","title":{"rendered":"Beeindruckendes Yad Vashem-Meeting mit dem Holocaust-\u00dcberlebenden Leon Weintraub"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_18336\" aria-describedby=\"caption-attachment-18336\" style=\"width: 2000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0034.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18336 size-full\" src=\"https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0034.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1126\" srcset=\"https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0034.jpg 2000w, https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0034-300x169.jpg 300w, https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0034-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0034-768x432.jpg 768w, https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0034-1536x865.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18336\" class=\"wp-caption-text\"><em>Aus Schweden zugeschaltet: Leon Weintraub<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Am 1. Januar 2025 ist Leon Weintraub 99 Jahre alt geworden &#8211; doch so f\u00fchlt er sich ganz und gar nicht: &#8222;Ich habe deshalb beschlossen, die Zahl auf den Kopf zu stellen.&#8220; Dass Weintraub trotz seines hohen Alters noch mitten im Leben steht, wurde am Montag im Gespr\u00e4ch mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der Yad Vashem-Partnerschulen deutlich, an dem auch die Geschichts-Leistungskurse 12 und 13 und Mitglieder des Projektes Keep the memory alive teilnahmen. Gut eine Stunde berichtete Weintraub aus seinem Leben, das 1926 in \u0141\u00f3d\u017a begann. Als f\u00fcnftes Kind wurde er seinen Eltern nach vier T\u00f6chtern geboren und sorgte damit f\u00fcr gro\u00dfe Freude, war doch damit ein &#8222;Kaddischl&#8220; geboren, ein Junge, der einmal f\u00fcr seinen Vater das traditionelle Totengebet, das Kaddisch, sprechen konnte. Doch dazu kam es nicht, denn bereits 1927 starb Leons Vater tats\u00e4chlich und viel fr\u00fcher als erwartet.<\/p>\n<p>Fortan schlug sich die Mutter als Witwe mit vier Kindern durch &#8211; ein hartes Leben, an das sich Weintraub trotzdem gern erinnert. Bestimmte Gerichte wie Gefillte Fisch oder Tscholent und das Gef\u00fchl von W\u00e4rme haben seine Erinnerung an seine fr\u00fchen Jahre gepr\u00e4gt. Auch an die Schule erinnert er sich gern &#8211; &#8222;eine Oase&#8220; f\u00fcr den begeisterten Sch\u00fcler, der angesichts seiner guten Leistungen das Gymnasium besuchen soll. Doch dazu kam es nicht, denn der deutsche \u00dcberfall auf Polen am 1. September 1939 f\u00fchrt dazu, dass Leon nicht die weiterf\u00fchrende Schule besuchen darf. Stattdessen wird er mit seinen Geschwistern ins Ghetto Litzmannstadt umgesiedelt, wie seine Heimatstadt \u0141\u00f3d\u017a inzwischen von den Besatzern genannt wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18337\" aria-describedby=\"caption-attachment-18337\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0025-1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-18337 size-full\" src=\"https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0025-1-e1737486666600.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0025-1-e1737486666600.jpg 1280w, https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0025-1-e1737486666600-300x164.jpg 300w, https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0025-1-e1737486666600-1024x560.jpg 1024w, https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG-20250121-WA0025-1-e1737486666600-768x420.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18337\" class=\"wp-caption-text\"><em>Gut 1000 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Yad Vashem-Partnerschulen nahmen an der Veranstaltung teil.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Dort lebt die Familie in noch deutlich gr\u00f6\u00dferer Armut. Hunger und f\u00fcrchterliche Grausamkeiten geh\u00f6ren nun zum Alltag im Ghetto. So hat sich Weintraub ins Ged\u00e4chtnis eingebrannt, wie ein Nazi-Soldat einem alten Mann mit dem Bajonett den Bart mitsamt der Gesichtshaut abtrennt. Doch die Schrecken nehmen zu: 1944 wird Weitraub nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo seine Mutter bereits bei der Ankunft f\u00fcr den Tod in der Gaskammer selektiert wird. Leon Weintraub bleibt am Leben und wird Zeuge des brutalen Systems der Entmenschlichung: Enthaarung, Desinfektion und das Eint\u00e4towieren der H\u00e4ftlingsnummer machen aus Leon einen Todgeweihten. Tagt\u00e4glich liegt der Gestank von verbranntem Fleisch in der Luft, der von den verbrannten Leichen \u00fcber das Lager weht. Eine Flucht ist unm\u00f6glich, denn der elektrische Zaun um das Gel\u00e4nde l\u00e4sst diese nicht zu. Leon ist allein in Auschwitz-Birkenau &#8211; nur einmal trifft er einen Bekannten aus \u0141\u00f3d\u017a: Einen Jungen, der trotz seines H\u00e4ftlingsstatus wohlgen\u00e4hrt ist. &#8222;Vielleicht kann sich mein Block\u00e4ltester auch Deiner annehmen&#8220;, schl\u00e4gt der Junge vor, doch Leon lehnt ab, ahnt er doch, dass der Preis daf\u00fcr in sexuellen Gef\u00e4lligkeiten besteht.<\/p>\n<p>Nur durch Zufall wird Leon nicht umgebracht, sondern gelangt \u00fcber einen Gefangenentransport in das KZ Gro\u00df-Rosen. Kurz vor Ende des Krieges wird Leon zun\u00e4chst nach Flossenb\u00fcrg verlegt und anschlie\u00dfend nach Struthof, bevor er w\u00e4hrend eines Todesmarsches fliehen kann und am 23.4.1945 endlich befreit wird. Nach dem Krieg sucht Leon seine Familie\u00a0 &#8211; und findet drei seiner Schwestern im ehemaligen KZ Bergen-Belsen, das nun als DP-Lager dient. Dort erf\u00e4hrt er von der M\u00f6glichkeit, als \u00dcberlebender der NS-Verfolgung studieren zu d\u00fcrfen. Trotz seiner nur sechsj\u00e4hrigen Grundschulzeit gelingt es ihm, an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen ein Medizinstudium aufzunehmen. Dort lernt Leon Weintraub seine Frau kennen, mit der er 1950 nach Warschau zieht, um dort an der Frauenklinik zu arbeiten. Doch auch dort f\u00fchlte sich Leon nur einige Jahre sicher: Angesichts des zunehmenden Antisemitismus wandert er mit seiner Familie nach Schweden aus, wo er bis heute lebt.<\/p>\n<p>Eine beeindruckende Lebensgeschichte eines Mannes, der heute immer wieder Vortr\u00e4ge h\u00e4lt: &#8222;Ich habe beschlossen, mich bis zum Ende gegen den Hass zu stellen.&#8220;<\/p>\n<p>Herzlichen Dank an Leon Weintraub und ebenso vielen Dank an Anne Lepper, Julian Tsapit und Gad Marcus, unsere Partner von Yad Vashem!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. 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