{"id":9547,"date":"2020-07-10T09:42:03","date_gmt":"2020-07-10T09:42:03","guid":{"rendered":"http:\/\/max-emden.de\/wordpress\/?p=9547"},"modified":"2020-07-10T09:42:03","modified_gmt":"2020-07-10T09:42:03","slug":"in-einem-container-um-die-halbe-welt-emdens-spenden-erreichen-nach-einer-langen-reise-ihren-zielort-in-bububu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/max-emden.de\/wordpress\/in-einem-container-um-die-halbe-welt-emdens-spenden-erreichen-nach-einer-langen-reise-ihren-zielort-in-bububu\/","title":{"rendered":"In einem Container um die halbe Welt \u2013 Emdens Spenden erreichen nach einer langen Reise ihren Zielort in Bububu"},"content":{"rendered":"<p>Spendenaktion f\u00fcr das Montessori Waisenhaus in Bububu, Sansibar, Tansania<\/p>\n<p>Noch einmal kr\u00e4ftig an der Eisenstange gedr\u00fcckt und dann ist er zu. Vollgepackt bis obenhin. Vollgepackt mit Kuscheltieren, Kleidung, Spielsachen und mit Geschirr. Knapp zwei Monate sp\u00e4ter als geplant, tritt der Container mit euren Spenden seine Reise nach Tansania, Afrika an. \u2013 Voller Freude, dass es endlich los geht, ahnen wir nicht, welche H\u00fcrden noch auf uns zukommen.<\/p>\n<p>Ihr habt euch von euren Malb\u00fcchern, B\u00e4llen, Rucks\u00e4cken, Matratzen und Schuhen getrennt. Die SVler haben flei\u00dfigst sortiert, organisiert und notiert, ihre Pausen geopfert \u2026 und das Spielkind in sich wiederentdeckt \u2013 es musste nat\u00fcrlich <em>nur<\/em> getestet werden, ob alles noch funktioniert.<\/p>\n<p>Nachdem wir eure Spenden Mitte April zu einem Sammelpunkt in die Grafschaft Bentheim gebracht hatten, mussten noch einige b\u00fcrokratische H\u00fcrden \u00fcberwunden werden. Dann endlich kam die Nachricht: wir bekommen am 21.06. einen Container f\u00fcr zwei Stunden zum Bepacken. So spielten am Freitagvormittag vier Erwachsene unter Hochdruck Tetris in Lebensgr\u00f6\u00dfe. Denn schnell wurde klar: nicht nur die Zeit ist knapp, sondern in Emden und der Grafschaft Bentheim wurden so viele Sachen gesammelt, dass jeder Zentimeter im Container genutzt werden muss &#8211; und seefest sollte es dazu nat\u00fcrlich auch noch sein. Nicht auszudenken, was bei einem Sturm passieren k\u00f6nnte, wenn ein Lattenrost oder ein voller Karton durch die Gegend fliegen w\u00fcrde. Schwei\u00dfgebadet wurde der Container verplombt und auf seine lange Reise geschickt. Diese f\u00fchrte ihn von Nordhorn nach Bremerhaven. Nach einer kurzen Standzeit wurde er auf das Containerschiff verladen, mit dem es endlich auf die Seereise ging: um Europa herum, durch eine der meist befahrenen Seepassagen der Welt, die Stra\u00dfe von Gibraltar, \u00fcber das Mittelmeer, durch den Suezkanal in \u00c4gypten sowie \u00fcber das Rote Meer. Schlie\u00dflich noch durch das heikle Seegebiet vor Somalia, in dem Piraten lauern k\u00f6nnen. Trotz der Gefahren einer solchen Seereise kam der Container in Mombasa, Kenia, unversehrt an. Nach einer erneuten kurzen Standzeit wurde er Anfang August auf ein zweites Containerschiff umgeladen und \u00fcber Daressalam, Tansania, nach Sansibar geschickt.<\/p>\n<p>Da ich in den Sommerferien extra nach Sansibar geflogen war, um den Container in Empfang nehmen zu k\u00f6nnen, steig in mir nun die Aufregung und Unruhe. Zwar ist auf der letzten Etappe von Mombasa nach Sansibar die Ankunft des Schiffes grob absch\u00e4tzbar, doch es kann immer etwas dazwischenkommen und dass die Sommerferien verl\u00e4ngert werden w\u00fcrden, war mehr als unwahrscheinlich. Die Zeit sa\u00df mir also auf diesem letzten St\u00fcck des Weges \u201eim Nacken\u201c, blieben schlie\u00dflich nur noch 10 Tage Ferien.<\/p>\n<p>Wann kommt der Container genau an? Wie haben die Sachen die oftmals raue See und die Verladungen \u00fcberstanden? Wird der Container seinen Weg \u00fcberhaupt bis nach Sansibar finden? Wird er noch verplombt sein oder wurde er unerlaubterweise unterwegs ge\u00f6ffnet? Ich \u00fcberpr\u00fcfte t\u00e4glich die Koordinaten des Schiffes. Doch es bewegte sich kaum. Wie kann ein Schiff f\u00fcr so eine kurze Strecke so lange brauchen? Ich wurde zunehmen unruhig. Das Ende der Sommerferien raste in einem Affenzahn heran und das Schiff kam und kam nicht an. Und dann kam wirklich der Abreisetag: Voller Entt\u00e4uschung flog ich unerledigter Dinge zur\u00fcck nach Deutschland. Doch nicht nur ich war entt\u00e4uscht: auch die ca. 55 Kinder im Waisenheim und ihre Betreuer hatten sichtlich mit der Desillusionierung zu k\u00e4mpfen \u2013 sollte der Container doch bereits vor knapp zwei Monaten angekommen sein und sein Inhalt wird dringend gebraucht.<\/p>\n<p>Am 21.08. erhielt ich dann schlie\u00dflich die Mail: Das Schiff ist im Hafen von Sansibar eingelaufen und wird gel\u00f6scht (entladen). Juhu!! Der Container ist da! Voller Freude informierte ich die Leiterin des Waisenhauses, dass nun das Abholen des Containers und endlich die letzte Etappe vom Hafen in den Ort Bububu organisiert werden kann.<\/p>\n<p>Meine Familie und ich hatten bereits viel Erfahrung mit tansanischen Beh\u00f6rden und der Bev\u00f6lkerung. Doch dass es nun noch einmal knapp zwei Monate dauern sollte desillusionierte uns erneut. Unterschiedliche Sachbearbeiter, andere Gesetze, Unkenntnis, fehlende Papiere, Feiertage, Ferien und unregelm\u00e4\u00dfige Arbeitszeiten brachten uns an den Rand unserer Geduld. Selten empfand ich das afrikanische Sprichwort \u201eihr habt die Uhren, wir haben die Zeit\u201c passender. Das rasante Arbeitstempo Deutschlands bzw. Europas als Ma\u00dfstab zu setzen, war hier einfach absolut fehl am Platz. So wurden wir wieder auf eine sehr harte Geduldsprobe gestellt.<\/p>\n<p>Erneut flog ich im Herbst nach Sansibar. Ich dachte, dass wir vor Ort mehr ausrichten, die langsam mahlenden M\u00fchlen beschleunigen k\u00f6nnten. Der Gang zur Beh\u00f6rde und der Anruf bei unseren Kontaktpersonen wurden mein t\u00e4gliches Ritual. Doch nichts. Weder das Einschalten eines Agenten als Vermittlungsperson und Helfer, noch alle anderen Bem\u00fchungen konnten das Ausl\u00f6sen des Containers beschleunigen. Erneut flog ich am Ende der Ferien unverrichteter Dinge zur\u00fcck nach Deutschland. Dieses Mal vollkommen entt\u00e4uscht und w\u00fctend. Auch unsere sansibarischen Freunde wurden zunehmend ratlos. Was ist, wenn wir den Container nie bekommen? Was ist, wenn er noch ein halbes Jahr dort im Hafen steht? Wer zahlt die Standgeb\u00fchr? Erneut stiegen Sorgen auf. Niemand konnte wirklich sagen, ob, wie oder wann wir den Container erhalten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Umso \u00fcberraschter erhielt ich Anfang November eine Nachricht mit Fotos: Der Container wurde ausgel\u00f6st, die Sachen wurden mit einem LKW \u00fcber die sandige \u201eHuckelpiste\u201c nach Bubu gebracht \u2013 und das in der Regenzeit, in der die Stra\u00dfen unter Wasser stehen, Flip Flops an einem vorbei schwimmen und der kleine Hang zum Waisenheim einer steilen Rutschbahn gleicht.<\/p>\n<p>Wieso der Container pl\u00f6tzlich ausgel\u00f6st werden konnte, vermochte niemand zu sagen. Letztendlich war es auch egal: eure Sachen waren endlich dort, wo sie sehns\u00fcchtig erwartet wurden.<\/p>\n<p>Nun beginnt das gro\u00dfe Auspacken. Die monatelang verpackte Kleidung muss gesichtet und von Hand von den Kindern gewaschen werden &#8211; denn eine Waschmaschine gibt es nicht. Da selbst die Kindergartenkinder mithelfen, ist alles innerhalb einiger Tage gewaschen. Da ohnehin der Platz zum Trocknen knapp ist, wird die Kleidung auf dem Boden und vor den H\u00fchnern getrocknet. Zum Gl\u00fcck sind auch W\u00e4schespinnen bei den Spenden gewesen. Regale werden aufgebaut oder zwischenzeitlich als Tische genutzt, Kuscheltiere werde geknuddelt, Wippen (nachdem das Prinzip erkl\u00e4rt wurde) und Hula-Hopp-Reifen auf Herz und Nieren getestet. Die Regenschirme kommen gerade rechtzeitig in dieser ungew\u00f6hnlich langen Regenzeit: endlich kann der Weg vom Klassen- oder vom Schlafzimmer zum Klo halbwegs trockenen Kopfes gegangen werden\u2026und der erste Regentanz mit vielen bunten Regenschirmen l\u00e4sst nicht lange auf sich warten.<\/p>\n<p>Doch es wird nicht alles auf einmal verteilt. Die Mehrheit der Sachen wird zur\u00fcckgehalten. Mit so viel Besonderem muss gut gehaushaltet werden. Denn so kann jedes Kind zu Weihnachten und zum Geburtstag f\u00fcr eine lange Zeit ein kleines Geschenk bekommen. Weihnachtsgeschenke f\u00fcr alle gab es vorher noch nie. Es gibt aber auch noch einen zweiten Grund &#8211; auch wenn dieser seltsam klingen mag: So viel pl\u00f6tzlicher Besitz kann auch \u00fcberfordern. Wer nie Spielsachen hatte, wer nie mehr als ein T-Shirt und eine Schuluniform besa\u00df, wer nie sagen konnte \u201edas ist meins!\u201c (selbst Zahnb\u00fcrsten werden hier geteilt), kann von all den neuen Dingen auch \u00fcberw\u00e4ltigt werden.<\/p>\n<p>Bis wirklich alles aufgebaut, einbetoniert und genutzt werden kann, wird es sicher noch eine ganze Weile dauern. Das Arbeitstempo bei sehr feuchtschw\u00fclen 34 Grad ist einfach langsamer. Manches, f\u00fcr uns Selbstverst\u00e4ndliches, erkl\u00e4rt sich nicht von allein und es wird Hilfe beim Aufbauen und beim ersten Benutzen gebraucht werden. Daher werde ich in den n\u00e4chsten Ferien wieder nach Sansibar fliegen und halte euch auf dem Laufenden, ob das Trampolin oder die Schaukel schon benutzt werden k\u00f6nnen, ob die Rucks\u00e4cke treue Begleiter auf dem Schulweg sind oder ob die Kuscheltiere nachts auch sorgf\u00e4ltig \u00fcber die Kinder wachen.<\/p>\n<p>Durch die Unterst\u00fctzung der letzten Jahre und durch eure gro\u00dfe Spende geht es diesem Waisenheim mittlerweile f\u00fcr sansibarische Verh\u00e4ltnisse gut. Jedes Kind hat mindestens zwei eigene T-Shirts und eine kleine Schublade, in die es seine paar Habseligkeiten unterbringen kann.<\/p>\n<p>Doch es gibt noch viele andere Waisenheime auf der Insel, die schlecht ausgestattet sind. Daher werden wir auch in Zukunft weiter Spenden sammeln und freuen uns, wenn ihr uns auch dann so flei\u00dfig unterst\u00fctzt. Ahsante sana!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spendenaktion f\u00fcr das Montessori Waisenhaus in Bububu, Sansibar, Tansania Noch einmal kr\u00e4ftig an der Eisenstange gedr\u00fcckt und dann ist er zu. Vollgepackt bis obenhin. 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