Remarques „Menschentier“ und der heutige Dienst an der Waffe – Jugendoffizier Schult diskutierte mit Max- Schülerinnen und -Schülern

Am 11.02. kam der Jugendoffizier Hauptmann Patrick Schult zu einer Veranstaltung im Rahmen des Deutschunterrichts des zehnten Jahrgangs ans Max-Windmüller-Gymnasium. Im Rahmen der Lektüre von Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ ergaben sich aus dem Unterricht Fragen an den Dienst des Soldaten in heutiger Zeit. Welche Unterschiede ergeben sich zu den schrecklichen Erlebnissen des jungen Soldaten Paul Bäumer im Ersten Weltkrieg aus Remarques Roman? Gibt es Gemeinsamkeiten zu heutigen Einsätzen in Kriegsgebieten? Diesen Fragen stellte sich kompetent und ehrlich der 32-jährige Hauptmann Schult.

In einer kleinen Einführung ging der Deutschlehrer Wilke Held v. a. auf das Glück ein, dass die heutige Generation in der Regel vom Krieg nur aus Erzählungen anderer erfahre. Daraus leite sich aber auch die Verantwortung ab, am Frieden in der Welt mitzuarbeiten, so wie es sich das MAX als UNESCO-Projektschule auch zur Aufgabe gemacht habe.

Hauptmann Schult ging v. a. auf den Wandel der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg ein, insbesondere auf die Möglichkeit und die Pflicht Befehlen nicht zu gehorchen, die z.B. Straftaten von einem Soldaten verlangen. Die Entwicklung der vergangenen knapp 20 Jahre seien aber geprägt von den z. T. schwierigen Erfahrungen in Auslandseinsätzen, in denen viel Leid, Gewalt und Tod vorkämen. Diese habe er zwar nicht am eigenen Leib erfahren, aber durch viele Gespräche mit Kameraden geschildert bekommen. Besonders schwierig sei die Lage für die Soldaten, wenn sie wieder in die „heile Welt“ zu Hause kommen. Er berichtete außerdem von schwierigen Entscheidungen deutscher Soldaten, die z. T. auch zu zivilen Todesopfern führten. Hier ergaben sich Parallelen zum jungen Paul Bäumer in Remarques Buch, der den französischen Soldaten Duval in einem Granattrichter tötet, um selbst zu überleben. Bäumer versucht den schwerverletzten Franzosen zu versorgen, dieser stirbt aber nach längerem Leiden. Angesichts dieser Erfahrung stellt sich die Frage nach dem Krieg als moralisches Dilemma: Töten oder getötet werden! Aus den anschaulichen Schilderungen Schults wird deutlich, dass dieses Dilemma auch heute noch besteht, so z. B. im Falle eines deutschen Soldaten vor etwa zehn Jahren, der trotz Haltesignalen und Warnschüssen ein sich schnell nährendes Auto an einem afghanischen Checkpoint mit Waffengewalt stoppte. Hierbei starben zwei Zivilisten, die auf dem Weg ins Krankenhaus den Checkpoint nicht erkannt haben. Auf die Frage von Imke Grensemann, wie sich Hauptmann Schult an der Stelle von Paul Bäumer verhalten hätte, antwortete Schult, dass er wohl ganz ähnlich gehandelt hätte, da es auch der Ausbildung eines Soldaten entspräche.

Insgesamt machten die z. T. persönlichen Erfahrungen von Hauptmann Schult gut und anschaulich die Aktualität von Remarques „Im Westen nichts Neues“ deutlich.

Text und Foto: Dr. Fabian Robben

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