Auf einen Schlag war alles anders

Noch einmal in der Disco feiern und etwas Spaß haben, bevor ein neuer Lebensabschnitt beginnt: Den Vorabend seines Dienstantrittes bei der Bundeswehr in Süddeutschland wollte Christoph Rickels mit seinen Freunden verbringen. Doch ein einziger brutaler Faustschlag beendete nicht nur den Abend, sondern zerstörte seine gesamte Lebensplanung: Nur knapp überlebte Rickels die Attacke des damals 19 Jahre alten Angreifers, dessen Freundin er ein Getränk ausgegeben hatte. Mehrere Schädelbrüche und sechs schwere Hirnblutungen hätten beinahe den Tod für ihn bedeutet. Es folgten vier Monate im Koma, anschließend eine lange Phase, in der der Friedeburger mühsam wieder zu essen, laufen und sprechen lernen musste – noch heute, sieben Jahre später, hat er große Schwierigkeiten damit.

Doch trotz seiner etwas verwaschenen Sprache gelingt es dem jungen Mann, der heute zu 80% behindert ist, sehr schnell die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu gewinnen: Gebannt hörten die Neunt- und Zehntklässler des Gymnasiums am Treckfahrtstief in der vergangenen Woche den Schilderungen des heute 27-Jährigen zu, der sein Schicksal zu einer Mission gemacht hat. „Ich war immer der coole Macker“, so beschreibt Rickels sein Leben vor dem Angriff. Damals war er ein Hansdampf in allen Gassen, engagierte sich als Schulsprecher, sammelte als Sportler Urkunde um Urkunde und erkämpfte als Jungpolitiker eine Skatingbahn für die Jugendlichen in Friedeburg.

Unterstützt durch Fotos und Tonaufnahmen verdeutlicht Rickels, wie ein einziger Schlag alles verändert hat. Besonders eindrucksvoll wird es jedoch als er aufsteht und die Bühne betritt: Nur langsam erreicht er den dortigen Flügel, doch als er zu spielen beginnt, mag man kaum glauben, dass hier ein halbseitig Gelähmter musiziert. Doch Rickels ist damit nicht zufrieden: „Ich weiß, dass das für euch toll klingt – aber für mich ist das total schlecht.“ Der Schlag habe auch seine musikalischen Fähigkeiten „kaputt gemacht“: „Ich habe gesungen und später auch gerappt – ich wollte ja immer der coole Macker sein. Das kann ich heute nicht mehr.“

Trotz seiner Behinderung hat Rickels nicht aufgegeben und sich zurückgezogen – ganz im Gegenteil: Er hat eine Stiftung zur Gewaltprävention gegründet – First Togetherness und erzählt seine Geschichte in Schulen, Vereinen und bei Sportveranstaltungen. Inzwischen zieht sein Engagement immer größere Kreise und so wird Rickels demnächst vor den Parlamentariern im Deutschen Bundestag sprechen, wie er begeistert berichtet: „Ich im Bundestag, stellt euch das mal vor!“

Knapp neunzig Minuten schilderte der Friedeburger, der auf Einladung von GaT-Lehrer Reinke Eiben an die Schule gekommen war, wie ein Disco-Besuch sein Leben für immer verändert hat und erreichte damit seine Zuhörer ganz unmittelbar: „Wir haben Hochachtung vor Ihnen! Vielen Dank, dass Sie uns Ihre Geschichte erzählt haben“, äußerte eine Gruppen von Zehntklässlern nach Rickels Vortrag. Er hofft damit etwas zu verändern: „Die Zeit der Gewalt ist einfach vorbei, es ist nicht cool, wenn man auf dicke Hose macht. Es ist cool, wenn man was erreicht.“

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