„Das Boot ist voll“: Theater sorgte für Nachdenklichkeit

„Ich bin kein Held!“ – fast schon empört weist Vito Fiorino diesen Titel zurück und das, obwohl er mit seinen Freunden 47 Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat. Ganz unversehens geriet er 2013 in eine Katastrophe: Am Morgen des 3. Oktober wurde er an Bord seines Schiffes von Schreien geweckt und fand sich inmitten von Hilfesuchenden wieder, die vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa gekentert waren. Sie gehörten zu den über 500 Flüchtlingen, die  an Bord eines alten Kutters waren, der nur 800 Meter vor der rettenden Küste sank. Die meisten der vorwiegend aus Eritrea stammenden Menschen hatten keine Chance: Sie konnten nicht schwimmen oder befanden sich unter Deck des heillos überladenen Bootes, das schnell auf den Meeresgrund sank. Doch auch für die Schwimmer unter den Flüchtlingen gab es nur einen Ort der Rettung, nämlich Vitos Boot „Gamar“ – und das obwohl weitere Boote in der Nähe waren und auch die Küstenwache frühzeitig von der „Gamar“ alarmiert worden war…

Anhand der wahren Geschichte des Eisdielenbesitzers Vito stellt der Autor Antonio Umberto Riccò in seinem Stück Fragen, die auch fünf Jahre nach dem Unglück noch aktuell sind: Wie verhält man sich in einer solchen Situation? Warum geschah dieses Unglück, dem so viele weitere folgten? Welche Folgen hatte die Katastrophe für Vito, die italienische Politik und für Europa?

Knapp eine Stunde dauert der Theatermonolog, in dem der Hannoveraner Willi Schlüter den Eisdielenbesitzer Vito von der ersten Minute an überzeugend verkörpert: Zunächst berichtet er eher knorrig wirkend von seiner ablehnenden Haltung gegenüber den Flüchtlingen, die immer wieder nach Lampedusa kamen, bis sein eigenes Erlebnis ihn verändert. Die zufällige Begegnung führt dazu, dass er beginnt die Umstände des Unglücks zu ergründen – trotz der Widerstände die ihm begegnen. Zudem wird er nochmals Vater – so nennen ihn die Geretteten seither dankbar.

Nach einem abendlichen Auftritt in der Neuen Kirche folgte am nächsten Morgen eine Vorstellung am Max-Windmüller-Gymnasium. Beide Aufführungen sorgten für viel Nachdenklichkeit und Fragen, die Schauspieler Willi Schlüter und der Autor Antonio Umberto Riccò gerne beantworteten. Deutlich wurde dabei vor allem, dass Vitos Empörung darüber, als Held bezeichnet zu werden, zu Recht besteht, denn in der Not zu helfen, sei ganz normal: „Ich bin nur ein Mensch.“

Der Abend fand zugunsten des House of Hope statt, das derzeit von Denis Goldberg in Hout Bay in der Nähe von Kapstadt/ Südafrika aufgebaut wird. Die Veranstaltung wurde vom Förderverein des Max-Windmüller-Gymnasiums und der Stadt Emden unterstützt – vielen Dank!

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