Der „Himmelspolizey“ auf der Spur – Seminarfach 12 Jg.

Bremen und Umgebung war um 1800 eines der Zentren der astronomischen Forschung überhaupt –
Grund genug für unser Seminarfach, dort am 03.06. einen Besuch abzustatten. Erster Anlaufpunkt
war das Telescopium Lilienthal, eine getreue Rekonstruktion des Riesenteleskops, mit dem der
dortige Amtmann Johann Hieronymus Schröter seine bahnbrechenden Mondbeobachtungen machte.
Damals hatten Beamte offenbar die Muße, sich extrem zeitaufwändigen Hobbys zu widmen.
Belohnt wurde das Engagement damit, dass Schröter der einzige ist, nach dem zwei
Mondformationen benannt sind, eine auffällige Rille und ein Krater. Die Rekonstruktion gibt einen
guten Eindruck von den Mühen, die er beim Beobachten und Zeichnen aufgewendet hatte. Zur
Nachführung musste alle 20 Minuten sein Adlatus Harm Gefken auf ein Klingelzeichen hin das
Fernrohr mittels Kutschenrädern ein Stückchen weiterbewegen.

Außerdem arbeitete Schröter zusammen mit Friedrich Wilhelm Bessel hier an der Messung von
Sternenparallaxen, die die Grundlage der Vorstellungen von der astronomischen Größe des Weltalls
erst möglich machten.

Dort und auch in Bremen tagte die „Himmelspolizey“, die den nach der Bode-Titius-Reihe
fehlenden Planeten zwischen Mars und Jupiter systematisch durch Himmelsüberwachung suchte –
und dann einige Planetoiden fand. Hier war Heinrich Wilhelm Olbers, nach dem Sternwarte und
Planetarium in Bremen benannt sind, an führender Stelle beteiligt. In der Sternwarte war dann
wetterbedingt leider keine Sonnenbeobachtung möglich, aber immerhin wurden uns die Instrumente
gezeigt und erklärt.


Auch wenn so der himmelspraktische Teil etwas kurz gekommen ist – es bleiben viele Eindrücke
zur Geschichte der Astronomie und deren Bedeutung für die heutigen Forschung sowie angeregte
Gespräche mit den Mitgliedern der Trägervereine der beiden Einrichtungen und anderen Besuchern.