
Die Filmprojektgruppe des MAX hatte die besondere Gelegenheit, echte Größen der finnischen Filmwelt kennenzulernen. Sie war der Einladung von Regisseur AJ Annila gefolgt, dessen Film „Ikitie“ (The Eternal Road) in der vergangenen Projektwoche historisch und inhaltlich analysiert wurde. Annila, der Hauptdarsteller Tommi Korpela sowie die Schauspielerin Jonna Järnefelt hatten bereits per E-Mail Fragen der Schülerinnen und Schüler zum Film beantwortet. Annila zeigte sich so begeistert vom Engagement der Projektgruppe, dass er uns nach Helsinki einlud, um dort weiter über seinen Film zu diskutieren.

Die Reise konnte nicht zuletzt durch großzügige Spenden von Videlio-Funa, der Deutsch-Finnischen Gesellschaft Niedersachsen, der finnisch-deutschen Handelsgilde zu Hannover, dem Unternehmen Kuntze & Burgheim und dem Förderverein des Max finanziert werden. Kiitos paljon!

In Helsinki war das Highlight dann definitiv das zweistündige Treffen mit Annila, Korpela und Järnefelt! Unsere Schülerinnen und Schüler hatten eine Vielzahl an Fragen, die ausführlich und erstaunlich offen beantwortet wurden. Es ging um die Dreharbeiten, die Realisierung schwieriger und anspruchsvoller Szenen (unter anderem die Ermordung eines kleinen Kindes) und das Schauspieler- und Regisseurdasein in Finnland (das auch die Auswirkungen von finanziellen Kürzungen im Filmsektor stark zu spüren bekommt).

Mit Rückbezug zum historischen Kontext des Films (die Ermordung tausender nach Sowjet-Karelien ausgewanderter Finnen durch Stalin) und vor dem Hintergrund, dass Finnland eine 1.300 km lange Grenze zu Russland hat, wurden natürlich auch aktuelle politische Themen diskutiert. Für eine dennoch wirklich entspannte und lustige Atmosphäre sorgten die vielen Anekdoten vom Dreh, an die die drei sich erinnerten. Trotz oder gerade auch aufgrund der Schwere der Thematik habe man am Set immer versucht, eine gute Stimmung beizubehalten. Annila und Korpela verabschiedeten uns mit den Worten, dass sie jederzeit gerne mit einer neuen Filmprojektgruppe vom Max zusammenarbeiten würden!

Wir hatten außerdem die tolle Gelegenheit, unserer neuen Erasmus-Partnerschule, dem Matinkylän lukio in Espoo (20 Metro-Minuten von Helsinki entfernt), einen Besuch abzustatten. Wir bekamen unter anderem einen Einblick in das finnische Abitur, der unsere Abiturienten wirklich erstaunte: mündliche Noten gibt es nicht, es werden Credit-Points gesammelt, man kann das Abitur nach zwei, drei oder vier Jahren Oberstufenbesuch absolvieren oder auch einfach splitten. Hat man in einem Fach nicht bestanden, so kann man einfach dieses eine Fach wiederholen, die anderen Leistungen bleiben bestehen. Eine gemeinsame Schulstunde, in der unsere Schülerinnen und Schüler auch erste finnische Wörter lernten, eine Schulführung durch die Deutsch lernenden Schülerinnen und Schüler sowie ein gemeinsames Mittagessen rundeten diesen wirklich schönen Vormittag in der Schule ab.

Da es uns in Helsinki bei minus 15 Grad noch nicht kalt genug war, reisten wir weiter nach Tampere, wo wir uns bei weniger als minus 20 Grad zu Fuß auf dem Weg in das Nootti-Museum machten. Im Museum zur Geschichte der finnisch-russischen Beziehung wird auf eindrucksvolle Weise die historische Dimension des Filmes noch vertieft und auch ausführlich auf die aktuellen, schwierigen Beziehungen zum Nachbarn Russland eingegangen.

Die Reise war von Anfang bis Ende ein voller Erfolg – das stereotype Bild des wortkargen und zurückhaltenden Finnen können wir nicht bestätigen. Wir wurden sowohl von den Filmschaffenden als auch von der Gastschule sehr herzlich und offen empfangen!





