Hi, ich bin Amely, gehe eigentlich in die 11b und verbringe den elften Jahrgang in Mount Pleasant, Michigan, USA.
Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter, meinem Gastvater und meiner Gastschwester, die genauso alt ist wie ich und mit der ich zusammen zur Schule gehe. Außerdem habe ich noch einen Gastbruder, der gerade für das College an die Ferris State University gegangen ist, und zwei weitere Gastschwestern. Eine von ihnen hat ungefähr zwei Wochen nachdem ich angekommen bin erfahren, dass sie schwanger ist. Meine andere Gastschwester hat bereits ein Kind. Dadurch ist bei uns eigentlich immer etwas los und ich habe meine Gastfamilie sehr schnell als meine zweite Familie kennengelernt.
Direkt in meiner ersten Woche hier sind wir gemeinsam campen gefahren. Dort wurde ich sogar mit meinem ersten Baseballspiel überrascht, was eine richtig coole Erfahrung für mich war. Seitdem habe ich generell sehr viele neue Dinge ausprobiert und erlebt, die ich aus Deutschland so nicht kenne.
Nach dem Camping hatte ich noch ungefähr anderthalb Wochen zu Hause, bevor mein Cheerleading Training angefangen hat. Seitdem trainiere ich montags bis donnerstags von 16:45 Uhr bis 19 Uhr. Mittlerweile kommt freitags noch ein Footballspiel dazu, bei dem wir ungefähr zweieinhalb Stunden cheerleaden. Dadurch sind meine Nachmittage ziemlich voll, aber genau das gefällt mir eigentlich sehr gut, weil ich dadurch viele Leute kennenlerne.
Football gehört hier sowieso sehr zum Alltag. Ich war schon bei Spielen der Central Michigan University, die direkt hier in Mount Pleasant liegt, und auch bei einem Footballspiel der Ferris State University. Besonders cool war aber, dass ich selbst einmal im Michigan Stadium, dem sogenannten „Big House“, sein durfte, weil dort unser erstes Footballspiel stattgefunden hat.
Die Schule hat am 20. August angefangen. Mein Schultag beginnt jeden Morgen um 7:48 Uhr und endet um 14:52 Uhr. Ich habe fünf verschiedene Fächer, wobei meine vierte und fünfte Stunde beide Interior Design sind.
In Child Development beschäftigen wir uns gerade mit verschiedenen Entwicklungstheorien und momentan vor allem mit dem Thema Schwangerschaft. Danach habe ich US History. Dort beschäftigen wir uns gerade mit dem Ersten Weltkrieg und werden bald zum Zweiten Weltkrieg übergehen. Mein drittes Fach ist Yearbook. Wir sind inzwischen in der Phase, in der wir das eigentliche Jahrbuch gestalten. Jeder Schüler bekommt verschiedene Seiten oder Themen zugeteilt, und mir wurde Tennis zugeteilt.
Mein Lieblingsfach ist wahrscheinlich Interior Design. Dort haben wir gerade ein ziemlich besonderes Projekt angefangen. Jeder hat eine Schuhbox und einen bestimmten „Klienten“ bekommen, für den wir ein kleines Haus gestalten sollen. Die Klienten sind ganz unterschiedlich – manche sind alleinstehend, manche haben eine Familie, manche haben Kinder oder Haustiere. Mein Klient ist ein verheiratetes Paar mit einem dreijährigen Kind, einem Hund und vier Hühnern. Sie mögen einen eher rustikalen und erdigen Stil und legen Wert auf natürliche und recycelte Materialien. die Möbel bauen wir selbst, suchen passende Materialien und drucken zum Beispiel auch Tapeten aus. Am Ende soll aus der Schuhbox ein kleines dreidimensionales Haus entstehen. Dafür haben wir insgesamt fünf Wochen Zeit.
Ein großes Highlight der letzten Wochen war außerdem die Homecoming-Week. Von Montag bis Freitag gab es jeden Tag ein anderes Motto. Montag war PJ Day, Dienstag konnte man sich entweder zwischen Country- oder Country-Club entscheiden, Mittwoch war Orange Shirt Day, Donnerstag gab es eine Color War und Freitag war alles in unseren Schulfarben Blau und Gold.
Der Freitag war mit Abstand der größte Tag der Woche. Es gab eine große Assembly, bei der jede Jahrgangsstufe einen Tanz vorbereitet hatte. Außerdem hatten die Cheerleader und die Tänzer jeweils einen Auftritt. Danach traten die Jahrgänge mit ihren Tänzen gegeneinander an und eine Jury entschied, welcher am besten war. Zusätzlich wurden die Homecoming-Kings und -Queens der verschiedenen Jahrgänge vorgestellt.
Nach der Assembly fand eine Parade durch Downtown statt. Jeder Jahrgang hatte dafür einen eigenen Wagen gebaut. Ich war mit den Cheerleadern dabei, sodass wir während der Parade Süßigkeiten in die Menge werfen konnten. Am Abend fand dann noch unser Footballspiel statt, das wir gewonnen haben. Bis jetzt haben wir tatsächlich jedes Spiel gewonnen. Wir haben ungefähr sechs Spiele gespielt und noch zwei weitere, bevor es in die Playoffs geht.
Am nächsten Tag fand dann der Homecoming-Dance statt. Vorher haben wir uns um 16 Uhr in einem Park getroffen, um Bilder zu machen. Man konnte Fotos mit Freunden, alleine oder als Gruppe machen. Danach ging es zum eigentlichen Tanz. Dort lief hauptsächlich typische Partymusik und es war zwar schön, aber für mich war die Assembly, die Parade und das Footballspiel am Freitag definitiv der spannendere Teil des Homecomings.
Wenn ich auf meine ersten zwei Monate zurückblicke, habe ich das Gefühl, schon unglaublich viel erlebt zu haben. Ich habe neue Sportarten und Traditionen kennengelernt, bin Teil eines Cheerleading Teams geworden, habe neue Freunde gefunden und erlebe jeden Tag Dinge, die ich in Deutschland wahrscheinlich nie auf diese Art erleben würde. Und obwohl erst zwei Monate vorbei sind, fühlt es sich gleichzeitig so an, als wäre ich schon viel länger hier.














