Im Zuge der Klassenfahrt nach Berlin traf sich die Klasse 10a am 16. September mit Petra Michalski in der Gedenkstätte „Stille Helden“. Frau Michalski, die 1937 in Hamburg geboren wurde, hat in ihrem Leben viele Erfahrungen mit dem Holocaust gemacht.
Ihre Mutter kam ursprünglich aus Argentinien und gehörte zu einem indigenen Stamm, den Guaraní. Gemeinsam mit einer jüdischen Familie kam sie nach Deutschland. Dem Nationalsozialismus stand sie daher von Anfang an kritisch gegenüber. Das zeigte sich besonders durch ihr geradezu provozierendes Verhalten gegenüber der damaligen Regierung. So nähte sie beispielsweise aus einer Hakenkreuzfahne ein Rotkäppchen-Kostüm für die kleine Petra und richtete im Keller hinter Obstkisten Verstecke für verfolgte Jüdinnen und Juden ein. Auf die Frage eines Schülers, ob die Nazis nicht auch dort nach Juden gesucht hätten, antwortete sie: „Bestimmt hat es da so doll nach vergorenen Äpfeln gerochen, dass die Nazis keine Lust hatten, dort lange zu suchen.“
Da Petra Michalskis Mutter gebürtig aus Argentinien stammte, war auch sie bedroht, von den Nazis verhaftet zu werden. Frau Michalski erzählte dazu, dass ihre Mutter sie als Kind im Garten immer „Indianer“ habe spielen lassen. Denn wer sich so offensichtlich als Indigener verkleide, der könne doch selbst keiner sein.
Doch aus der Großstadt fliehen musste Petra während des Krieges trotzdem. Besonders da ihr Haus direkt neben einem Fußballfeld stand und die Bomber dachten, es handele sich um eine Art Flughafen. Deshalb verbrachte sie den Großteil ihrer Kindheit in Pommern bei ihrer Großmutter. Als sie nach Kriegsende wieder nach Hamburg zurückkehrte, war ihr Haus bereits als Flüchtlingslager belegt, weshalb sie erst nach einigen Hindernissen wieder einziehen konnte – und auch nur in eine Hälfte. Das Haus mussten sie sich also teilen. Das fand sie aber gar nicht schlimm, denn sie war schon immer sehr neugierig gewesen und konnte so durch viele Gespräche einiges über das Leben der Flüchtlinge erfahren.
Nicht nur durch das Leben ihrer Mutter kam Michalski in Kontakt mit jüdischem Leben. Auch ihr Mann, Franz Michalski, den sie im Alter von 16 Jahren während einer Jugendveranstaltung beim Tanzen kennenlernte, war Jude und Holocaustüberlebender. Franz wurde 1934 geboren. Seine Mutter Lilli Brann wurde als Jüdin verfolgt, sein Vater war katholisch. Als Familie in sogenannter „Mischehe“ musste sie ab Oktober 1944 in Breslau untertauchen und überlebte in Sachsen und im Sudetenland nur dank mutiger Helfer, die später von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet wurden. Seine Geschichte hat er im Buch „Als die Gestapo an der Haustür klingelte“ festgehalten. Petra, die damals sehr an Geschichte und Politik interessiert war, fand es besonders spannend, wenn er ihr von diesen Erlebnissen erzählte.
Mit ihm gemeinsam besuchte sie später viele Schulen und berichtete von Franz’ Leben. Nach einem Schlaganfall konnte dieser selbst nicht mehr sprechen. Umso wichtiger sei es ihr gewesen, dass seine Stimme nicht „verstummt“.
Nach Franz’ Tod im Winter 2023 im Alter von 89 Jahren begann Petra erstmals auch damit, ihre eigene Geschichte, besonders über das Leben ihrer Mutter, zu erzählen.
Nachdem die Schüler bereits 2025 die Möglichkeit hatten, mit dem Holocaustüberlebenden Albrecht Weinberg zu sprechen, bekamen sie von Petra Michalski noch einmal eine ganz andere Geschichte erzählt. Zum Abschluss bedankten sich die Schülerinnen und Schüler ganz herzlich bei Frau Michalski für ihre Zeit und den spannenden Einblick in ihr Leben. Alle waren von der Begegnung beeindruckt und dankbar für das Gespräch.
Bericht: Theda Hensmann, 10a









