
„Ich kann schlecht sehen…“ – mit dieser Antwort auf die Frage nach seinem Blick in die Zukunft endete im Januar 2026 ein besonderer Abend mit Albrecht Weinberg: Im Festspielhaus berichtete der damals Einhundertjährige noch einmal aus seinem Leben, sprach von seiner Kindheit und Jugend in Rhauderfehn, der Verfolgung durch die Nazis, den Konzentrationslagern und Todesmärschen sowie seiner Befreiung im KZ Bergen-Belsen kurz vor Kriegsende.

Wie so oft brachte er die Menschen zum Lachen, ebenso wie er sie zu Tränen rührte. Vor allem brachte er die Menschen aber zum Nachdenken, denn Albrecht Weinbergs Leben war auch geprägt von der Sorge, dass die Nazi-Verfolgung nicht einzigartig bleiben könnte.
„Wir gaben uns das Gelübde, keine Kinder zu zeugen, damit ihnen nicht das widerfahren konnte, was wir erleben mussten.“ Dieser Schwur, den seine Schwester Friedel und er sich in den USA gegeben hatten, wohin sie nach dem Krieg ausgewandert waren, zeigt, wie sehr diese Sorge Albrecht Weinberg immer wieder umgetrieben hat.

Die Warnung, achtsam zu sein – „Past op!“ – gab er seinen Zuhörern deshalb immer wieder mit auf den Weg, vor allem Kindern und Jugendlichen. Obwohl Albrecht 80 oder 90 Jahre älter war als sie, hatte er immer Interesse an den Schülerinnen und Schülern, war ihnen zugewandt und nahm sie ernst.
Auch die Schülerinnen und Schüler des Max-Windmüller-Gymnasiums durften das immer wieder erleben. Albrecht Weinberg reiste mit ihnen zusammen mit Gerda Dänekas an die Orte, an denen ihm schwerstes Leid angetan wurde – nach Mittelbau-Dora oder zusammen mit israelischen Schülern und der Projektgruppe Keep the Memory Alive nach Bergen-Belsen.

Immer wieder war Albrecht auch zu Gast am Max-Windmüller-Gymnasium, um aus seinem Leben zu berichten oder um an Veranstaltungen teilzunehmen, etwa anlässlich des 100. Geburtstages Max Windmüllers im Jahr 2020 oder des 150. Schuljubiläums 2023.
Wir sind für jede dieser Minuten dankbar.
Albrecht Weinbergs Stimme ist nun verstummt. Am 12. Mai 2026 starb er im Alter von 101 Jahren. Das Max-Windmüller-Gymnasium verliert mit Albrecht Weinberg einen unersetzlichen Freund, dessen Vermächtnis wir in Ehren halten werden.
Baruch Dayan HaEmet.





