Deutsch-Leistungskurs besucht Ausstellung von Marsha Pels im Ostfriesischen Landesmuseum

Marsha Pels mit „Reclaimed Site Bahnhofsbunker-Projekt“, dem Modell ihres Entwurfes für ein Mahnmal in Emden

Ein besonderer Besuch im Ostfriesischen Landesmuseum Emden: Am Montag hatte der Deutsch-Leistungskurs des 12. Jahrgangs die Gelegenheit, die Ausstellung „Site Reclaimed – Altes Land, neu“ zu besuchen und dabei die Künstlerin Marsha Pels persönlich kennenzulernen. Sie nahm sich viel Zeit, den Schülerinnen und Schülern Einblicke in ihre Arbeit, ihre Gedanken und ihre persönliche Verbindung zu Emden zu geben.

Das Modell ist im Foyer des OLME zu sehen.

Marsha Pels ist eine Künstlerin aus New York, deren Vorfahren aus Emden stammen. Bereits 1985 machte sie sich erstmals auf den Weg in die Stadt, um den Spuren ihrer Vorfahren zu folgen, einer jüdischen Familie der Seehafenstadt. Dabei erlebte sie jedoch Ablehnung: Als sie im Stadtarchiv nach Unterlagen über ihre Familie fragte, wurde ihr mitgeteilt: „Nein, nein, Sie sind jüdisch. Diese Unterlagen haben wir hier nicht.“ Unterstützung bei ihrer Suche erhielt sie damals nicht.

Marsha Pels mit einem Foto, das sie selbst während einer Performance Anfang der 2000er Jahre zeigt.

Trotz dieser Erfahrung kehrte Marsha Pels nach Emden zurück. Entscheidend dafür war eine zufällige Begegnung mit der späteren Kuratorin der aktuellen Ausstellung, Bergit Ahrens. Mitte der 1990er-Jahre berichtete Pels in London über ihre künstlerische Arbeit und erwähnte dabei auch die Herkunft ihrer jüdischen Familie: Emden. „Das kennt ohnehin keiner von Ihnen“, habe sie damals gesagt. Doch eine der Zuhörerinnen kannte Emden sehr wohl: Bergit Arends, selbst gebürtige Emderin, meldete sich zu Wort und so entwickelte sich aus dieser Begegnung eine lebenslange Freundschaft.

Der Deutsch-LK wurde von der Künstlerin in ihre Arbeit eingeführt.

Ahrens hat maßgeblich dazu beigetragen, dass mit der aktuellen Ausstellung ein bedeutendes Werk von Marsha Pels nach Emden zurückkehrt. Bereits 1999 hatte die Künstlerin während eines Forschungsstipendiums das „Reclaimed Site Bahnhofsbunker Projekt“ entwickelt. Ihr Konzept verband die Erinnerung an die ehemalige jüdische Gemeinde Emdens mit der besonderen Situation der Stadt, die bis heute durch zahlreiche Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs geprägt ist. Pels entwarf damals ein Holocaust-Mahnmal, das letztlich nicht realisiert wurde. Natürlich sei sie deshalb enttäuscht, so Pels, doch gleichwohl habe sie damit gerechnet. 2026 ist ihr Entwurf von damals nun erneut in Emden zu sehen und gemeinsam mit weiteren Arbeiten im Ostfriesischen Landesmuseum zu sehen.

Vorfahren von Marsha Pels – eine Fotografie aus der Vorkriegszeit.

Die Ausstellung wurde am 6. September 2026 eröffnet – bewusst am Gedenktag der Zerstörung Emdens durch die Bombardierung im Jahr 1944. Der Anlass bietet zugleich die Möglichkeit, den Blick auf die Geschichte der jüdischen Gemeinde Emdens zu richten. Denn die Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens in der Stadt geschah bereits lange vor der Zerstörung Emdens im Zweiten Weltkrieg. Die einst bedeutende jüdische Gemeinde wurde vertrieben, ihre Mitglieder wurden verfolgt und ermordet.

Kuratorin Bergit Arends erläutert den Schülerinnen und Schülern das Modell der Emder Synagoge, die während der Reichspogromnacht 1938 zerstört wurde.

Für die Schülerinnen und Schüler des Deutsch-Leistungskurses war die Begegnung mit Marsha Pels daher weit mehr als ein Ausstellungsbesuch. Ihre persönlichen Erinnerungen, ihre künstlerische Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte und ihre Verbindung zu Emden sorgte für viel Nachdenkenswertes.

Wir danken Marsha Pels herzlich für das Gespräch und die Einblicke in ihre Arbeit, Kuratorin Bergit Arends sowie dem Ostfriesischen Landesmuseum und seiner Direktorin Jasmin Alley für die Möglichkeit dieses besonderen Besuchs.